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Wichtige Trends in der europäischen Bauwirtschaft

Das „European Architectural Barometer“ verfolgt die neuesten Entwicklungen in der Bauindustrie – von Nachhaltigkeit über Digitalisierung bis hin zu Herausforderungen im Bereich der Arbeitskräfte.

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Blogs I published 29 March 2024 I Dirk Hoogenboom

Die fünf wichtigsten Trends in der Bauindustrie im Jahr 2025

Blogs · Trends in der Baubranche

Die fünf wichtigsten Trends in der Bauindustrie im Jahr 2025

Die europäische Bauindustrie zählt nach wie vor zu den eher traditionellen Branchen in Europa; dies bedeutet jedoch nicht, dass sie von wichtigen Entwicklungen und Trends unberührt bleibt. In diesem Artikel möchten wir fünf zentrale Trends in der Bauindustrie beleuchten.

Trend 1: Arbeitskräftemangel in der Bauindustrie

Einer der größten Trends – oder eine der größten Bedrohungen – für die europäische Bauindustrie sind die Probleme im Zusammenhang mit dem Arbeitskräftemangel. Dieses Problem ist nicht nur in Europa, sondern auch in zahlreichen Regionen weltweit allgegenwärtig. Innerhalb Europas haben verschiedene Branchen mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen, wobei der Bausektor mit besonders akuten Herausforderungen konfrontiert ist.

Das Durchschnittsalter der Bauarbeiter in Europa ist auffallend hoch und liegt in vielen Fällen bei etwa 50 Jahren oder sogar darüber. Diese demografische Realität lässt in den kommenden Jahren einen erheblichen Abfluss hochqualifizierter Arbeitskräfte erwarten. Erschwerend kommt hinzu, dass es an Nachwuchs in der Bauindustrie mangelt. Die Baubranche hat Schwierigkeiten, im Wettbewerb mit anderen Branchen jüngere Generationen für sich zu gewinnen, da Berufe im Bauwesen oft sowohl hinsichtlich der Bezahlung als auch der Arbeit selbst als minderwertig angesehen werden. Sie gelten als harte, schmutzige und potenziell gefährliche Arbeit.

Wie gravierend ist der Arbeitskräftemangel in der europäischen Bauindustrie derzeit? Nun, in unseren verschiedenen Multi-Client-Studien haben wir wichtige Akteure entlang der Wertschöpfungskette der Branche befragt, inwieweit sie durch den Arbeitskräftemangel beeinträchtigt werden. In einigen Ländern, wie beispielsweise in den Niederlanden, geben fast 70 % aller Architekten und Bauunternehmer an, dass sie durch den Arbeitskräftemangel erheblich beeinträchtigt werden. Dies ist jedoch nicht nur ein Problem in den Niederlanden: So geben beispielsweise in Deutschland fast drei Viertel der Installateure und fast 90 % der Maler an, dass sie mit gravierenden Problemen aufgrund des Arbeitskräftemangels konfrontiert sind. Am stärksten betroffen sind die nord- und mitteleuropäischen Länder. Die Probleme bestehen auch in den südeuropäischen Ländern, sind dort jedoch im Allgemeinen weniger gravierend.

Dies betrifft nun allerdings nur die quantitativen Aspekte des Arbeitskräftemangels. Über die rein quantitativen Bedenken hinaus zeichnet sich ein qualitativer Arbeitskräftemangel ab. Der bevorstehende Ruhestand erfahrener Fachkräfte, die sowohl über langjährige Berufserfahrung als auch über fundiertes Fachwissen verfügen, sowie der Zustrom weniger erfahrener und eher schulisch ausgebildeter Arbeitskräfte stellen erhebliche Herausforderungen dar, da Gebäude und Anlagen immer komplexer werden und zunehmend mehr statt weniger Wissen und Fachkompetenz erfordern.

Viele Akteure sehen darin, ungelernte Arbeitskräfte einzustellen und diese auszubilden, eine der wichtigsten Möglichkeiten, den Arbeitskräftemangel kurzfristig zu bekämpfen. Allerdings verfolgen viele andere Branchen, die mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben, eine ähnliche Strategie. Zudem ist der Zeitaufwand, der erforderlich ist, um ungelernte Arbeitskräfte auszubilden und sie einsatzfähig zu machen, recht hoch, was die Probleme des Arbeitskräftemangels kurzfristig noch weiter verschärft. Gibt es keine anderen Lösungen für die Probleme des Arbeitskräftemangels? Doch, die gibt es, und wir werden uns bei den nächsten Trends auf eine davon konzentrieren.

Abb. 1: Sind Sie von Arbeitskräftemangel betroffen?

Trend 2: Vorfertigung in der Bauindustrie

Die Vorfertigung erweist sich als entscheidende Strategie zur Bewältigung des Arbeitskräftemangels. Die Bauindustrie setzt zunehmend auf Vorfertigung, um Effizienz und Produktivität zu steigern. So liegt beispielsweise nach Angaben niederländischer Bauunternehmen der Anteil der Projekte, bei denen in irgendeiner Form Vorfertigung zum Einsatz kommt, mit etwa 70 % bereits auf einem hohen Niveau . In anderen europäischen Ländern ist dieser Anteil zwar geringer, aber dennoch relativ hoch. So liegt der Anteil der Vorfertigung an Projekten beispielsweise in Deutschland, Belgien, Polen und Italien bei etwa 50 %. Auf europäischer Ebene insgesamt beträgt er etwa 41 %.

Darüber hinaus sind die Erwartungen für die Zukunft hoch. Auch wenn sowohl Architekten als auch Bauunternehmer kurzfristig aufgrund geringerer Neubauvolumina eine Verlangsamung des Wachstums im Bereich der Fertigbauweise im Bauwesen erwarten, gehen die Bauunternehmer mittelfristig davon aus, dass der Anteil der Fertigbauweise stark zunehmen wird.

Zwar hat die Vorfertigung in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum verzeichnet, doch bleibt ihr Potenzial weitgehend ungenutzt. Der Schwerpunkt liegt derzeit vor allem auf einfachen vorgefertigten Bauteilen wie Wänden und Fußböden.

Um die Vorteile der Vorfertigung voll auszuschöpfen und die Gesamtproduktivität in der Bauindustrie zu steigern, ist eine Umstellung auf stärker industrialisierte Prozesse unerlässlich. Dies erfordert einen verstärkten Einsatz fortschrittlicher, industriell gefertigter Fertigbauteile und volumetrischer Lösungen. Die meisten der „einfacheren“ Formen der Vorfertigung bestehen im Wesentlichen aus einer baustellennahen Fertigung außerhalb der Baustelle, was jedoch nicht zu den erforderlichen großen Produktivitätssprüngen führen wird. Hierfür sind fortgeschrittenere Formen der industrialisierten Vorfertigung erforderlich.

Zwar sind Fortschritte in dieser Richtung offensichtlich, doch ist der Einsatz fortschrittlicher Formen der Vorfertigung, wie beispielsweise vorgefertigter modularer Gebäude, nach wie vor relativ begrenzt. Nach Angaben europäischer Architekten machen diese Arten von Vorfertigungen lediglich 12 % der insgesamt eingesetzten Vorfertigungen aus. Die einfacheren vorgefertigten, unbehandelten und unfertigen Elemente machen 50 % aller eingesetzten Fertigbauteile aus. Dennoch rechnen sowohl Architekten als auch Bauunternehmer und Monteure gleichermaßen mit einem starken Wachstum bei fortschrittlicheren Formen der Vorfertigung in der Zukunft.

Hochwertige Fertighäuser

12%

vorgefertigte Modulgebäude als Anteil an allen vorgefertigten Bauten

Einfaches Fertighaus

50%

schlichte und unbearbeitete Elemente als Anteil an allen verwendeten Fertigbauteilen

Damit sich fortschrittlichere Formen der industriellen Vorfertigung deutlich weiterentwickeln können, muss die Branche bestehende Hindernisse überwinden, darunter technologische Einschränkungen und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Darüber hinaus ist eine stärkere Digitalisierung erforderlich, um fortschrittlichere Formen der Vorfertigung zu ermöglichen.

Abb. 2: Anteil von Fertigbauteilen in Projekten – Architekten.

Trend 3: Digitalisierung in der Bauindustrie

Wie bereits festgestellt wurde, stellt der Arbeitskräftemangel ein zentrales Problem in der Bauindustrie dar, und die Vorfertigung ist eine der wichtigsten Lösungen. Um jedoch mit fortschrittlicheren Formen der Vorfertigung bauen zu können, ist eine stärkere Digitalisierung erforderlich.

Building Information Modelling (BIM) gilt als Paradebeispiel für digitale Innovationen, die die Praktiken im Bauwesen grundlegend verändern. Zwar variiert der Grad der BIM-Einführung in den einzelnen europäischen Ländern, doch ist die Verbreitung unter Architekten bemerkenswert hoch. Rund 45 % aller europäischen Architekten nutzen BIM. Diese Zahl ist jedoch stark länderabhängig, da mehr als drei Viertel der niederländischen Architekten BIM nutzen, während es beispielsweise bei den italienischen Architekten nur 32 % sind. Darüber hinaus schwankt dieser Prozentsatz je nach Unternehmensgröße (je größer das Unternehmen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es BIM einsetzt).

Obwohl BIM unter europäischen Architekten relativ häufig zum Einsatz kommt, ist die Nutzung der fortgeschritteneren Funktionen (4D und 5D) nach wie vor begrenzt. Darüber hinaus wird als Detaillierungsgrad (LOD) am häufigsten LOD 300 festgelegt.

Darüber hinaus ist die BIM-Nutzung unter den Akteuren, die weiter hinten in der Wertschöpfungskette der Baubranche angesiedelt sind, nach wie vor begrenzt. So nutzen beispielsweise „nur“ 35 % der Bauunternehmer in den Niederlanden BIM, verglichen mit 75 % der Architekten. In vielen anderen europäischen Ländern ist die BIM-Nutzung unter Bauunternehmern noch geringer; so nutzen beispielsweise im Vereinigten Königreich nur 14 % der Bauunternehmer BIM. Auch hier muss berücksichtigt werden, dass die Unternehmensgröße eine wesentliche Rolle spielt. Bei den Installateuren ist die BIM-Nutzung sogar noch geringer: Nur etwa 8 % von ihnen nutzen BIM.

Dennoch wird erwartet, dass sich der Trend zur zunehmenden Digitalisierung fortsetzen wird, angetrieben durch gesetzliche Vorgaben und die wachsende Bedeutung der Vorfertigung. Da Bauprojekte immer komplexer werden, spielen digitale Werkzeuge wie BIM eine entscheidende Rolle bei der Optimierung von Prozessen und der Erleichterung der Integration vorgefertigter Bauteile.

Abb. 3: Wie hoch ist der Anteil der BIM-Anwender in Europa?

Trend 4: Nachhaltigkeit in der Bauindustrie

Das Thema Nachhaltigkeit steht mittlerweile im Mittelpunkt der Diskussion über die Zukunft der Bauindustrie. Denn diese Branche ist für einen hohen Anteil der CO₂-Emissionen verantwortlich (sowohl bei der Herstellung der Baumaterialien als auch beim Bauprozess selbst, vor allem aber beim Betrieb der Gebäude).

Angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich des Klimawandels und der Ressourcenverknappung hat das Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche zunehmend an Bedeutung gewonnen. Im Mittelpunkt der Nachhaltigkeitsinitiativen stehen Bemühungen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen und zur Steigerung der Energieeffizienz. Gesetzliche Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Baupraktiken unterstreichen diesen Wandel zusätzlich. Trotz des wachsenden Bewusstseins und der regulatorischen Impulse schreitet die Umsetzung nachhaltiger Maßnahmen jedoch nur schrittweise voran. Die intrinsischen Motivationen der wichtigsten Akteure hinken oft den gesetzlichen Vorgaben hinterher, was eine flächendeckende Umsetzung behindert. Zudem stellen die hohen Kosten für mehr Nachhaltigkeit nach wie vor ein Hindernis dar.

So hat beispielsweise die weit verbreitete Einführung von Wärmepumpen auf dem europäischen Markt durch die „Early Adopters“ im Zuge der Energiekrise nicht zu einer breiten Akzeptanz bei der „Early Majority“ geführt. Die hohen Kosten, die zum Teil auf die hohen Produkt- und Installationskosten zurückzuführen sind, stellen nach wie vor ein Hindernis dar. Zudem sind nicht alle Häuser und Gebäude für eine rasche Umstellung geeignet. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass der Markt weiterhin wächst, wenn auch möglicherweise nicht mit der ursprünglich erwarteten hohen Geschwindigkeit.

Darüber hinaus verlangsamt auch das „Dschungel“ aus unterschiedlichen regionalen, nationalen und europäischen Rechtsvorschriften die Einführung. Auch das „Greenwashing“ durch verschiedene Akteure der Branche trägt nicht dazu bei, dass der Markt transparenter wird.

Allerdings ist die Bereitschaft der Kunden, in Nachhaltigkeit zu investieren, nach Angaben von Architekten von 34 % im Jahr 2020 auf 28 % im Jahr 2022 und 27 % im Jahr 2024 zurückgegangen. Es ist unbestreitbar, dass die europäische Bauwirtschaft ihren Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit vorantreibt und dass diese Entwicklung erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben wird. Es hat sich jedoch gezeigt, dass es sich dabei eher um eine schrittweise Weiterentwicklung als um eine Revolution handelt.

Abb. 4: Inwieweit legen Ihre Kunden Wert auf Nachhaltigkeit und sind sie bereit, dafür mehr zu investieren? – Architekten.

Trend 5: Veränderungen im Entscheidungsprozess in der Bauindustrie

Schließlich vollzieht sich derzeit ein Wandel im Entscheidungsprozess innerhalb der Bauindustrie. In der Vergangenheit übernahmen Architekten die Rolle des Baumeisters und übten die Entscheidungsgewalt über alle Aspekte eines Projekts aus. Die sich wandelnden Rahmenbedingungen, darunter die zunehmende Komplexität von Bauvorhaben und der wachsende Einfluss der Beteiligten, führen jedoch zu einer Neudefinition der Rolle des Architekten. Architekten verlagern ihren Schwerpunkt zunehmend auf das Projektmanagement und räumen dabei der ästhetischen Gestaltung und der Materialauswahl Vorrang vor Markenpräferenzen ein.

Diese Entwicklung spiegelt allgemeine Branchentrends hin zu einer kooperativen Entscheidungsfindung und einer stärkeren Einbindung der Beteiligten wider. „Neue“ Akteure, wie beispielsweise große Fertighaushersteller und innovative Bauunternehmen, die nach dem Design-Build-Prinzip arbeiten, untergraben die zentrale Rolle der Architekten zunehmend. Darüber hinaus sind die „Endnutzer“ bzw. die Auftraggeber, die die Projekte vergeben, stärker in den Entwurfs- und Bauprozess eingebunden.

Die zunehmende Komplexität des Entscheidungsprozesses und die größere Anzahl an Akteuren, die bereits in einer frühen Phase an einem Tisch sitzen, erfordern zudem eine bessere Zusammenarbeit. Auch hier ist BIM ein wichtiges Instrument, um dies zu erleichtern.

Abb. 5: Können Sie bitte angeben, welche Rolle Sie in den folgenden Abschnitten des Prozesses einnehmen?

Schlussfolgerungen

Eine Möglichkeit, die wichtigsten Trends in der Bauindustrie für das Jahr 2024 und darüber hinaus zusammenzufassen, besteht darin, dass die Bauindustrie besser, schneller und kostengünstiger werden muss. Die meisten der von uns erörterten Trends lassen sich darauf zurückführen, die Branche besser (d. h. Nachhaltigkeit, verstärkte Zusammenarbeit der Beteiligten, Digitalisierung usw.), schneller (d. h. Fertigbau, Arbeitskräftemangel usw.) und kostengünstiger (d. h. Arbeitskräftemangel, Digitalisierung, Fertigbau usw.) zu gestalten.

Das Wichtigste auf einen Blick

Alle fünf Schlüsseltrends prägen die Branche sowohl heute als auch in Zukunft. Viele dieser Entwicklungen sollten jedoch eher als evolutionär denn als revolutionär betrachtet werden. Zwar wird sich die Geschwindigkeit der Einführung in einigen Fällen beschleunigen, doch die konservative Natur der Branche, technologische Einschränkungen, gesetzliche Vorschriften und andere externe Faktoren stehen einer echten „Revolution“ nach wie vor im Wege.

Abschließend möchten wir noch anmerken, dass wir Trends wie Robotik, 3D-Druck und KI/IoT in die Liste der fünf wichtigsten Trends im Bauwesen für das Jahr 2025 aufgenommen, da diese Trends zwar interessant sind und potenziell große Auswirkungen haben könnten, jedoch unter Trends wie Fertigbau (3D-Druck), Arbeitskräftemangel (Robotik) und Digitalisierung (KI/IoT) eingeordnet werden könnten. Darüber hinaus wird erwartet, dass diese Trends eher mittel- bis langfristig als kurzfristig Auswirkungen haben werden.

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