Entdecken Sie unsere Marktstudien

Branchen

Alle anzeigen
usp

Marktbericht

Geopolitische Instabilität wirkt sich auf die Baubranche in Europa aus

Entdecken Sie das „European Architectural Barometer“, um Einblicke in Markttrends, architektonische Praktiken und Branchenprognosen in den vielfältigen Regionen Europas zu gewinnen.

share

Blogs I published 11 June 2026

Europäische Bauwirtschaft 2026: Vorsichtig, aber nicht katastrophal

Blog · Europäisches Architekturbarometer

Wie sich geopolitische Instabilität auf die europäische Bauwirtschaft auswirkt

Steigende Energiepreise und geopolitische Instabilität verändern die Erwartungen im Bausektor in ganz Europa

Die europäische Bauwirtschaft startete unter zunehmendem geopolitischem Druck ins Jahr 2026. Die anhaltende Instabilität im Zusammenhang mit globalen Konflikten, Unsicherheiten im Handel, Schwankungen auf den Energiemärkten und allgemeinen wirtschaftlichen Spannungen beeinflusst zunehmend die Einschätzung der Baufachleute hinsichtlich der nahen Zukunft.

Laut dem aktuellen „European Architectural Barometer“ (EAB) für das erste Quartal 2026 rechnet eine deutliche Mehrheit der europäischen Architekten damit, dass steigende Energiepreise und geopolitische Instabilität die Bauprojekte in den nächsten 12 Monaten negativ beeinflussen werden. Doch trotz dieser Unsicherheit zeigen die Daten auch etwas Bemerkenswertes: Die Branche bleibt relativ widerstandsfähig.

Die Untersuchung, die auf Befragungen von Architekten in acht europäischen Märkten basiert, zeigt, dass die Bautätigkeit nach wie vor relativ stabil ist. Die Auftragsbestände sind weiterhin weitgehend stabil, die Projekte schreiten voran, und die Erwartungen für das Jahr 2027 werden bereits optimistischer.

Europäische Architekten gehen davon aus, dass geopolitischer Druck die Bautätigkeit beeinflussen wird

Das aktuelle geopolitische Umfeld wirkt sich deutlich auf die Stimmung in der gesamten europäischen Baubranche aus. Steigende Energiepreise, globale Konflikte und allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit führen dazu, dass Architekten hinsichtlich der kurzfristigen Aussichten zunehmend vorsichtig sind. Den jüngsten EAB-Ergebnissen zufolge erwarten 71 % der europäischen Architekten, dass geopolitische Instabilität und steigende Energiepreise die Bautätigkeit in den nächsten 12 Monaten negativ beeinflussen werden. Fast die Hälfte (49 %) rechnet mit einer leichten Abschwächung, während weitere 22 % einen stärkeren Rückgang erwarten. Diese Ergebnisse spiegeln jedoch in erster Linie die Marktstimmung wider und nicht tatsächliche Projektbeeinträchtigungen.

Rechnen Sie mit negativen Auswirkungen

71%

Ein Großteil der europäischen Architekten geht davon aus, dass geopolitische Instabilität und steigende Energiepreise die Bautätigkeit negativ beeinflussen werden

Leichte Verlangsamung

49%

Rechnen Sie mit einer leichten Verlangsamung

Stärkerer Rückgang

22%

einen stärkeren Rückgang erwarten

Abb. 1: Erwartungen der Architekten hinsichtlich der Bautätigkeit in den nächsten 12 Monaten, EAB Q1 2026.

Mehrere grundlegende Indikatoren für die Baubranche bleiben relativ stabil. In vielen europäischen Märkten berichten Architekten weiterhin von stabilen Auftragsbeständen, während Bauunternehmer und Installateure ebenfalls angeben, dass ihre Kapazitäten noch für Monate im Voraus ausgelastet sind. Zudem ist der Anteil der Architekten, bei denen Projekte gestrichen oder verschoben wurden, in den meisten Ländern nicht nennenswert gestiegen.

Dies deutet darauf hin, dass zwar das Vertrauen nachgelassen hat, viele Projekte jedoch vorerst weiter vorangetrieben werden. Die von den Architekten geäußerten Bedenken beziehen sich hauptsächlich auf die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit, darunter:

  • Schwankungen bei den Energiepreisen,
  • Instabilität der Lieferkette,
  • steigende Finanzierungskosten,
  • ein nachlassendes Anlegervertrauen,
  • geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit der Ukraine und dem Welthandel,
  • sowie die Unsicherheit hinsichtlich der künftigen Wirtschaftspolitik.

Für Bauunternehmen, Bauträger, Architekten und Zulieferer bedeutet dies ein zurückhaltenderes Investitionsklima und einen zunehmenden Druck hinsichtlich der Realisierbarkeit von Projekten.

Steigende Materialkosten sind mittlerweile das größte Problem der Branche

Aus den EAB-Daten geht hervor, dass sich die geopolitische Instabilität in erster Linie in Form von Kostendruck bemerkbar macht.

Die mit Abstand am häufigsten genannte Folge sind steigende Materialkosten. Europaweit nennen 70 % der Architekten höhere Materialpreise als die wichtigste negative Auswirkung der geopolitischen Instabilität auf die Baubranche. Damit stellt die Kosteninflation die größte Herausforderung dar, mit der der Markt im Jahr 2026 konfrontiert sein wird.

Zu den weiteren häufig genannten Folgen zählen:

  • Unsicherheiten hinsichtlich der Preisgestaltung und der Budgetierung,
  • geschwächtes Anlegervertrauen,
  • verzögerte Projekte,
  • eingestellte Projekte,
  • Rohstoffengpässe,
  • sowie Störungen in der Lieferkette.

Was die aktuelle Situation besonders schwierig macht, ist die Unvorhersehbarkeit der Kosten. Aus mehreren Märkten wird berichtet, dass die Erstellung präziser und wettbewerbsfähiger Angebote aufgrund schwankender Preise für energieintensive Materialien, Logistikkosten und der anhaltenden Unsicherheit im internationalen Handel zunehmend komplizierter geworden ist.

Dieser Druck macht sich insbesondere bei Neubauprojekten im Wohnbereich bemerkbar, bei denen die Margen aufgrund von Finanzierungskosten und Problemen bei der Erschwinglichkeit oft ohnehin schon unter Druck stehen.

Dennoch schreiten die Projekte weiter voran

Trotz der geopolitischen Unsicherheit zeigt der europäische Baumarkt eine überraschend hohe Widerstandsfähigkeit.

Anders als während der Finanzkrise oder der COVID-19-Pandemie lassen die EAB-Daten keinen drastischen Einbruch bei der Projektfortführung erkennen. In den meisten Ländern sind Projektverschiebungen häufiger als vollständige Stornierungen.

Diese Unterscheidung ist von Bedeutung.

Dies deutet darauf hin, dass Bauträger, Investoren und Behörden Entscheidungen in der Regel eher aufschieben, anstatt Projekte gänzlich aufzugeben. In vielen Märkten sind die langfristigen Nachfragegrundlagen nach wie vor intakt.

Architekten in ganz Europa berichten weiterhin von relativ stabilen Auftragsbeständen, und der Anteil derjenigen, die mit völlig leeren Auftragsbüchern rechnen, ist in den meisten Ländern nach wie vor gering.

Mehrere strukturelle Faktoren stützen die Konjunktur weiterhin:

  • Die anhaltende Wohnungsknappheit in Europa,
  • steigende Nachfrage nach Renovierungsarbeiten,
  • Vorschriften zu Nachhaltigkeit und Energieeffizienz,
  • Investitionen in die öffentliche Infrastruktur,
  • sowie den langfristigen Übergang zu Gebäuden mit geringerem CO₂-Ausstoß.

Daher sind die Marktaussichten für das Jahr 2026 verhalten – jedoch nicht katastrophal.

Ein relativ stabiles Jahr 2026 für die europäische Bauwirtschaft

Die Gesamtprognose für den europäischen Baumarkt für das Jahr 2026 deutet eher auf eine Stagnation oder ein moderates Wachstum als auf einen starken Rückgang hin.

Die Prognosen des EAB zeigen gemischte, aber insgesamt stabile Erwartungen in ganz Europa:

Markt Prognose für 2026
Deutschland -0,9 %
Belgien +0,6 %
Polen -0,4 %
Frankreich -0,4 %
Italien +1,0 %
Niederlande +2,0 %
Spanien +2,5 %
Vereinigtes Königreich +2,2 %

Abb. 2: Prognosen von EAB für den Baumarkt im Jahr 2026 nach Ländern. Rückläufige Märkte sind orange dargestellt.

Diese Zahlen unterstreichen die Zersplitterung des europäischen Marktes.

Südeuropäische Märkte wie Spanien entwickeln sich weiterhin überdurchschnittlich gut, gestützt durch eine rege Baugenehmigungsaktivität und anhaltendes Anlegervertrauen. Auch die Niederlande zeigen sich dank der Nachfrage nach Renovierungsmaßnahmen und stabiler Marktgrundlagen weiterhin relativ widerstandsfähig.

Unterdessen sehen sich Deutschland, Belgien, Frankreich und Polen weiterhin einem zunehmenden Druck ausgesetzt, der auf eine verschlechterte Anlegerstimmung, eine verlangsamte Genehmigungsaktivität und eine allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen ist.

Dennoch bleibt der für das Jahr 2026 erwartete Rückgang selbst in den schwierigeren Märkten im Vergleich zu früheren Krisen relativ begrenzt.

Warum das Jahr 2027 bereits positiver aussieht

Während das Jahr 2026 voraussichtlich weiterhin Herausforderungen mit sich bringen wird, sind die Aussichten für 2027 deutlich optimistischer.

Der EAB-Prognose zufolge wird erwartet, dass alle acht europäischen Baumärkte im Jahr 2027 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren werden.

Erwartetes Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2027:

Markt Prognose für 2027
Belgien +1,0 %
Frankreich +1,0 %
Deutschland +1,0 %
Italien +2,0 %
Niederlande +2,0 %
Polen +1,0 %
Spanien +3,0 %
Vereinigtes Königreich +2,0 %

Abb. 3: Prognostiziertes Gesamtwachstum der Wirtschaftsleistung für das Jahr 2027 nach Ländern. Spanien liegt an der Spitze aller acht Märkte.

Diese sich verbessernden Aussichten werden durch mehrere grundlegende Trends gestützt.

Erstens sind die Fundamentaldaten der Nachfrage nach wie vor stark. Europa sieht sich weiterhin mit erheblichen strukturellen Engpässen in den Bereichen Wohnraum, qualifizierte Infrastruktur und nachhaltiger Gebäudebestand konfrontiert.

Zweitens bleibt die Renovierungstätigkeit in fast allen Märkten vergleichsweise stabil. Da die Regierungen weiterhin Maßnahmen zur Dekarbonisierung und Energieeffizienzziele vorantreiben, entwickelt sich die Renovierung zunehmend zu einer stabilisierenden Kraft für die Branche.

Drittens sind die Auftragsbestände entlang der gesamten Wertschöpfungskette angesichts der geopolitischen Lage weiterhin solider als von vielen erwartet.

Schließlich wächst die Erwartung am Markt, dass, sobald sich die geopolitischen Spannungen und die Schwankungen auf dem Energiemarkt zu stabilisieren beginnen, aufgeschobene Investitionen und verzögerte Projekte schrittweise wieder auf den Markt zurückkehren werden.

Abschließende Bemerkung

Die europäische Bauwirtschaft steht vor einer Phase, die von Unsicherheit – aber auch von Widerstandsfähigkeit – geprägt ist.

Geopolitische Instabilität, steigende Energiepreise und die Kosteninflation verlangsamen eindeutig die Entscheidungsfindung und erhöhen den Druck auf dem gesamten Markt. Dennoch ist die zugrunde liegende Nachfrage nach Wohnraum, Sanierungen, Infrastruktur und nachhaltigen Gebäuden nicht verschwunden. Tatsächlich gewinnen viele dieser langfristigen Herausforderungen sogar noch an Dringlichkeit.

Die jüngsten Ergebnisse der EAB-Umfrage deuten darauf hin, dass sich die Branche eher anpasst, als dass sie sich zurückzieht. Projekte werden häufiger verschoben als gestrichen, die Auftragsbestände bleiben relativ stabil, und die Zuversicht für das Jahr 2027 nimmt in allen befragten Ländern bereits zu.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die Signale des Marktes sind daher differenziert: Die europäische Bauwirtschaft wird den geopolitischen Turbulenzen kurzfristig wohl kaum entgehen können, scheint jedoch weitaus besser gerüstet zu sein, Unsicherheiten abzufedern, als dies bei früheren Krisen der Fall war.

Quelle: Europäisches Architekturbarometer, 1. Quartal 2026