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Marktbericht

Fertigbau und Innovation in der Architektur

Das „European Architectural Barometer“ befasst sich mit dem Aufschwung des Fertigbaus und analysiert dabei die Akzeptanzraten, das Marktpotenzial sowie die Herausforderungen in ganz Europa.

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Blogs I published 28 August 2024 I Dirk Hoogenboom

Trends im Bereich der Fertigbauweise in der Bauindustrie

Blogs · Fertighäuser

Trends im Bereich der Fertigbauweise in der Bauindustrie

Fertigbau sorgt bereits seit einiger Zeit für Aufsehen in der Baubranche. Auch wenn das Konzept nicht gänzlich neu ist, haben jüngste technologische Fortschritte – zusammen mit einer wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen und effizienten Bauweisen – es in den Mittelpunkt gerückt; es gibt also guten Grund, genauer zu betrachten, was diesen Aufschwung antreibt. Angesichts von Arbeitskräftemangel, steigenden Materialkosten und einer exponentiellen Entwicklung der Stadtlandschaften bietet die Fertigbauweise eine Möglichkeit, intelligenter und schneller zu bauen. Wie? Lesen Sie weiter, um eine langfristige Prognose zu erhalten, die auf aktuellen Daten und Berichten basiert.

Der Aufstieg der Fertighäuser

Um es einmal auf den Punkt zu bringen: Die Bauindustrie strebt danach, schneller, kostengünstiger und besser zu werden. Dies lässt sich auf verschiedene Weise erreichen, wobei die Vorfertigung zunehmend an Bedeutung gewinnt, da sie alle drei Faktoren mühelos abdeckt. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte, so lässt sich ein deutlicher und stetiger Anstieg im Bereich der Vorfertigung erkennen. Und hier sind die Gründe dafür.

Trends und Prognosen im Bereich Fertighäuser

Heutzutage wird die Beliebtheit dieser Bauweise in erster Linie durch einen sehr starken Arbeitskräftemangel beeinflusst. Da weniger Arbeitskräfte für den Bau zur Verfügung stehen, ist eine Neuausrichtung der Bauweise im Allgemeinen erforderlich, und die Fertigbauweise setzt hier hohe Maßstäbe, indem sie den Arbeitsaufwand vor Ort reduziert, die Effizienz steigert und die Qualität verbessert.

Die Branche hat sich in den letzten Jahren rasch in Richtung Digitalisierung entwickelt. Nehmen wir an, Sie sind Architekt: Richtig umgesetzte Fertigbauweise bedeutet präzises BIM – was ohne digitale Ressourcen unmöglich ist. Betrachtet man zudem Europa, insbesondere den Norden, so hat eine akute Wohnungsknappheit, die durch Inflationsraten sowie hohe Investitions- und Baukosten verursacht wird, zu einer hohen Nachfrage geführt, was bedeutet, dass die Branche längst eine Beschleunigung des Bautempos benötigt. Neue und aufkommende Technologien ermöglichen Verbesserungen bei den Standardbauvorhaben, und mit diesen Verbesserungen gewinnt auch die Vorfertigung zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt spricht die anhaltende Fokussierung auf umweltfreundliche und nachhaltige Praktiken deutlich für die Vorfertigung – eine bewusste und effiziente Vorgehensweise.

Materialverbrauch

Die anhaltenden Veränderungen bei den Materialtrends sind im Fertigbau besonders ausgeprägt. Lösungen auf Holzbasis sind auf dem Vormarsch – ein Thema, das wir bereits ausführlich behandelt haben –, wobei Architekten eine überwältigende Präferenz für Holz bei fertiggestellten Fassaden (40 %), Innenwänden (43 %) und Satteldächern (55 %) zeigen. Ein bekannter Favorit, Beton, folgt mit 29 %, 19 % bzw. 11 %.

Fertigteil Holz Beton
Komplett fertiggestellte Fassaden 40 % 29 %
Innenwände 43 % 19 %
Satteldächer 55 % 11 %

Abb. 1: Anteil der Architekten, die je nach Fertigbauteil Holz gegenüber Beton bevorzugen.

Was Bauunternehmer betrifft, so ist Beton der vorherrschende Werkstoff bei vorgefertigten, glatten und unbearbeiteten Bauteilen.

Prognosen

Alles in allem – nach Ansicht von Architekten und Bauunternehmern – lassen die kurzfristigen Prognosen keinen starken Anstieg im Bereich der Fertigbauweise erwarten. Es wird erwartet, dass sich entweder ein begrenztes Wachstum fortsetzt – ähnlich dem leichten Anstieg von 28 % im Jahr 2019 auf 29 % im Jahr 2023 – oder dass es zunächst zu einem Rückgang kommt, bevor in den nächsten Jahren wieder ein Anstieg zu verzeichnen ist.

Die Hauptgründe für dieses langsamere Tempo hängen mit dem europäischen Trend zu geringeren Neubauvolumina und mehr Sanierungen zusammen. Höhere Zinssätze führen zu Finanzierungsschwierigkeiten, was sich auf den gesamten Projektmix auswirkt. Komplexe und ästhetisch orientierte Entwürfe sind auf dem Vormarsch, lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres standardisiert umsetzen, sodass die Fertigbauweise bei anspruchsvolleren Projekten nicht immer mithalten kann. Die Urbanisierung und der Hochhausbau nehmen zu, was potenzielle Hindernisse für die Fertigbauweise darstellt, die vorwiegend im Bereich des niedrigen bis mittleren Bauvolumens angesiedelt ist (auch hier zeichnet sich jedoch eine positive Entwicklung ab).

Nehmen wir Deutschland als Maßstab. Die Prognose für das Bauvolumen ab 2022 bis ins Jahr 2024 zeigt einen deutlichen Rückgang bei den Neubauten (von 100,2 auf 86,2), während bei den Sanierungen leichte Zuwächse zu verzeichnen sind (186,4 im Jahr 2022, 188,9 im Jahr 2023 und 189,4 im Jahr 2024). Das bedeutet: Der Einsatz von Fertigbauelementen wird kurzfristig zunehmen.

Mittelfristig oder langfristig wird sich die Akzeptanzrate jedoch voraussichtlich erheblich beschleunigen und bis 2025 auf 33 % sowie bis 2030 auf 39 % in ganz Europa (Deutschland, Italien, Niederlande, Spanien, Polen …) ansteigen. Betrachtet man die Wertschöpfungskette genauer, so rechnet eine große Mehrheit der Nutzer von Fertigbauteilen (beispielsweise HLK-Installateure) mit einem Anstieg des Anteils von Fertigbauteilen, wobei auch Nichtnutzer ein beträchtliches Wachstum erwarten.

201928 %
202329 %
2025 (prognostiziert)33 %
2030 (prognostiziert)39 %

Abb. 2: Anteil der Fertigbauweise an Projekten in ganz Europa. Die Werte für 2025 und 2030 sind Prognosen und in Hellblau dargestellt.

Mögliche Hindernisse

Die Vorfertigung ist zwar vielversprechend, jedoch nicht ohne Herausforderungen und birgt mehrere potenzielle Rückschläge.

Konservative Industrie

Bauunternehmen reagieren entweder nur zögerlich oder gar nicht auf Veränderungen und stützen sich bei ihren Baupraktiken größtenteils auf bewährte Verfahren, was im Wesentlichen bedeutet, dass sie „Business as usual“ gegenüber neueren Konzepten den Vorzug geben. Die Einführung von Fertigbauweisen in einer Branche, die in ihren Gewohnheiten festgefahren ist, wird eine fortwährende Aufgabe sein.

Regeln und Vorschriften

Als Nächstes ist es einfach – nun ja, einfacher –, Bauteile für ein Gebäude mit 0 bis 5 Stockwerken vorzufertigen. Alles, was darüber hinausgeht, ist schwierig, und dies hängt mit behördlichen Auflagen, Normen für die Vorfertigung, höheren Einstiegskosten oder ähnlichen bürokratischen Aspekten zusammen, die die Gestaltungsmöglichkeiten einschränken und die Kosten erhöhen, was Bauunternehmer letztendlich davon abhält, diese Methode anzuwenden.

Städtische Herausforderungen

Die Vorfertigung kann in großen städtischen Gebieten aufgrund der Transportlogistik und möglicher Beeinträchtigungen mit Herausforderungen verbunden sein. Denken Sie beispielsweise an den Großraum London. Der Transport großer vorgefertigter Bauteile durch dicht besiedelte Städte oder deren Montage kann sich als schwierig erweisen, insbesondere wenn Baustellen das Leben vor Ort beeinträchtigen. Die erfolgreiche Umsetzung der Vorfertigung erfordert eine sorgfältige städtebauliche Planung.

Integration

Zwar bieten Neubauten Chancen für den Einsatz von Fertigbauteilen, doch ist das Wachstumspotenzial bei Sanierungsprojekten noch größer. Die nahtlose Integration von Fertigbauteilen in bestehende Bauwerke, um den besonderen Anforderungen von Sanierungsprojekten gerecht zu werden, stellt nach wie vor eine Herausforderung dar.

Eine Revolution im Fertighausbau

Der Wandel ist jedoch bereits im Gange, und es kann viel getan werden, um die Vorfertigung zu modernisieren und ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Zu den zentralen Aspekten dieser Anpassungen gehören die Straffung der Prozesse, die Reduzierung des Arbeitsaufwands und die Steigerung der Effizienz.

Automatisierung und Robotik

Um erhebliche Produktivitätssteigerungen zu erzielen, muss die Fertighausproduktion stärker industrialisiert werden. In vielen Fällen sind nach wie vor qualifizierte Arbeitskräfte und ein hoher Arbeitsaufwand erforderlich, um Projekte abzuschließen. Daher prüfen wir derzeit Fortschritte in den Bereichen Robotik und Automatisierung (beispielsweise beim Zuschnitt, bei der Montage oder bei der Endbearbeitung), um effizienter arbeiten zu können. Diese Automatisierung kann zu geringeren Qualifikationsanforderungen führen und den Fertigbau damit für einen größeren Kreis von Arbeitskräften zugänglicher machen.

Volumetrische Konstruktion

Stellen Sie sich das wie den Bau eines Hauses aus vorgefertigten Bausteinen vor. Anstatt Teile des Gebäudes oder das Gebäude selbst vor Ort zu errichten, werden beim volumetrischen Bauen ganze Module vorgefertigt, einschließlich fertiger Elemente wie Wände, Decken, Fußböden, Fenster, Türen, Anstriche, Beschichtungen oder kompletter elektrischer Anlagen. Dieser Grad an Vorfertigung bietet noch mehr Effizienz und reduziert den Bedarf an Endbearbeitungsarbeiten vor Ort.

3D-Druck

Das oberste Ziel besteht darin, mithilfe des 3D-Drucks ganze Häuser außerhalb der Baustelle zu fertigen. Dieser Wandel vollzieht sich derzeit zwar nur langsam, wird jedoch mit großer Spannung erwartet und ist dringend erforderlich, da die Technologie das Potenzial besitzt, die Branche zu revolutionieren. Durch die Ermöglichung hochgradig maßgeschneiderter und effizienter Bauprozesse, die Bewältigung des Arbeitskräftemangels und die Steigerung der Produktivität stehen 3D-Drucke stark im Fokus und bieten zudem Möglichkeiten für innovative Designs und eine nachhaltige Materialnutzung (vor allem Holz).

Die wichtigsten Erkenntnisse

Unsere Daten zeigen, dass der Bau aus verschiedenen Gründen zunehmend auf Fertigbauweise umgestellt wird. Zunächst einmal wird der Arbeitskräftemangel den Markt unweigerlich in Richtung einer stärkeren Nutzung von Fertigbauweisen treiben. Darüber hinaus beobachten wir bereits einen höheren Industrialisierungsgrad, der die Vorteile des Fertigbaus erheblich steigern und somit dessen Verbreitung und Einführungsgeschwindigkeit beschleunigen wird. Da gesetzliche Anforderungen erfüllt und technologische Fortschritte erzielt wurden, wird der Fertigbau im Mittel- und Hochhausbau noch mehr Wachstumspotenzial entfalten. Schließlich zeigen europäische Trends, dass eine zunehmende Digitalisierung komplexere Entwürfe erleichtern und ermöglichen wird, sodass die Vorfertigung einen starken und dringend benötigten Aufschwung erlebt.

Nachhaltigkeit

Verstärkte Nachhaltigkeitsbemühungen werden diesen Aufschwung stark vorantreiben – wie? Die Fertigbauweise kann im Vergleich zur Bauweise vor Ort zu einer Reduzierung des Materialabfalls um bis zu 90 % führen, ganz zu schweigen davon, dass diese Projekte von vornherein unter Berücksichtigung einer höheren Energieeffizienz konzipiert werden. Eine optimierte Produktion bedeutet einen geringeren Energieverbrauch, und die zunehmende Bevorzugung nachhaltiger Materialien sowie praktikabler Alternativen zu herkömmlichen Baustoffen wird zu einem geringeren CO₂-Fußabdruck führen. Schließlich verkürzt die Fertigbauweise die Gesamtbauzeit erheblich und verringert so langanhaltende Emissionen.

Möchten Sie immer einen Schritt voraus sein? Unsere Webinare und Blogbeiträge bieten wertvolle Einblicke in die neuesten Trends im Bereich der Fertigbauweise. Schauen Sie sich diese unbedingt an und erfahren Sie, wie Sie diese zu Ihrem Vorteil nutzen können.

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