Marktbericht
Einblicke in die Branche der Bauunternehmen und Marktentwicklung
Entdecken Sie im „Contractor Monitor“ die neuesten Trends im Bereich nachhaltiges Bauen sowie aktuelle Entwicklungen in der Baubranche. Bleiben Sie auf dem Laufenden und optimieren Sie Ihre Projekte mit unseren Experteneinblicken und Ressourcen.
Blogs I published 24 March 2025 I Dirk Hoogenboom
Warum schränken Auftraggeber ihre Investitionen in nachhaltiges Bauen ein?
Warum schränken Auftraggeber ihre Investitionen in nachhaltiges Bauen ein?
Vor einigen Jahren war Nachhaltigkeit eine wichtige Triebkraft im Bauwesen. Bauträger und Bauunternehmer setzten aktiv umweltfreundliche Technologien ein, und die Auftraggeber waren mehr als bereit, in nachhaltige Lösungen zu investieren. Heute scheint diese Begeisterung jedoch nachzulassen. Gespräche, in denen es einst um die Realisierung von Netto-Null-Gebäuden oder den Einsatz von Materialien aus der Kreislaufwirtschaft ging, drehen sich nun zunehmend um Kosteneinsparungen, die Machbarkeit von Projekten und die Risikominimierung.
Diese Entwicklung gibt Anlass zur Sorge – nicht nur für Unternehmen, die sich für die Zukunft rüsten wollen, sondern auch im Hinblick auf die globalen Umweltziele. Den neuesten Daten zufolge nimmt die Bereitschaft der Kunden, in nachhaltiges Bauen zu investieren, europaweit ab. Was steckt hinter diesem Rückgang, und was kann die Branche tun? Hier erfahren Sie, was Sie wissen müssen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Als das Thema Nachhaltigkeit an Fahrt gewann, schien es unaufhaltsam zu sein. Die Kunden waren bestrebt, ökologische Standards zu erfüllen, neue Technologien sorgten für Aufsehen und die Investitionen flossen in Strömen. Doch nun lässt die Dynamik nach, und Investitionstrends, wirtschaftlicher Druck sowie ins Stocken geratene Innovationen zeichnen ein klares Bild der künftigen Entwicklung der Branche.
Kunden investieren weniger in Nachhaltigkeit
Im Jahr 2020 wurden bei beachtlichen 36 % der Projekte Nachhaltigkeitsaspekte aktiv integriert, wobei die Kunden eine ähnlich hohe Investitionsbereitschaft zeigten. Derzeit liegt der Anteil umweltbewusster Projekte bei 49 %, und es wird prognostiziert, dass dieser Wert bis 2030 auf 58 % steigen wird. Die Investitionsbereitschaft steht dem jedoch … in keinem Verhältnis. Sie verläuft tatsächlich fast umgekehrt proportional. Wir stellen fest, dass die Zahlen im Jahr 2024 auf 27 % gesunken sind, wobei Prognosen einen weiteren Rückgang auf 22 % bis zum Jahr 2030 anzeigen. Gleichzeitig hat die Zahl der Projekte zugenommen, bei denen Nachhaltigkeit zwar „gefordert, aber nicht finanziert“ wird – das bedeutet, dass Kunden zwar die Bedeutung von Nachhaltigkeit anerkennen, sich jedoch viele zurückziehen, wenn es darum geht, den Scheck zu unterschreiben.
Abb. 1: Anteil der Projekte, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt werden, im Vergleich zur Investitionsbereitschaft der Kunden.
Wirtschaftliche Unsicherheit stellt ein großes Hindernis dar
Steigende Zinsen und Inflation belasten die Haushalte, wodurch Investitionen in langfristige Nachhaltigkeit immer schwerer zu rechtfertigen sind. Der Krieg in der Ukraine hat die globalen Lieferketten unterbrochen, was sich auf die Kosten für wichtige Rohstoffe und die Erdgaspreise auswirkt und traditionelle Energiequellen wieder attraktiver macht. Eine Kombination verschiedener Faktoren mindert letztlich den Anreiz, in energieeffiziente Alternativen zu investieren, was zu Verzögerungen oder gar zur Streichung nachhaltiger Projekte führt.
Wichtige Investitionen in die Nachhaltigkeit kommen ins Stocken
Der Absatz von Wärmepumpen – einst ein fester Bestandteil des nachhaltigen Bauens und ein wachsender Trend – ging im Jahr 2023 um 5 % zurück, was den ersten Rückgang seit einem Jahrzehnt darstellt. Zu Beginn des Jahres 2024 war ein noch stärkerer Rückgang von 47 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Auch bei den Anlagen für erneuerbare Energien hat sich die Entwicklung verlangsamt, wobei sich einige Projekte aufgrund hoher Netzanschlusskosten und regulatorischer Unsicherheiten verzögert haben. Recycelte und kreislauffähige Baumaterialien finden zwar weiterhin Anwendung, doch ihre Marktdurchdringung bleibt aufgrund der im Vergleich zu herkömmlichen Materialien höheren Anschaffungskosten begrenzt.
Was bremst das nachhaltige Bauen?
Ganz einfach: sehr viel. Kunden halten sich zurück, weil sie aufgrund realer Hindernisse ihre Investitionen hinterfragen. Von Arbeitskräftemangel über steigende Kosten bis hin zu politischen Veränderungen – es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die es erschweren, Nachhaltigkeit zu vermitteln.
Hohe Kosten und Finanzierungsschwierigkeiten
Nachhaltige Lösungen versprechen zwar langfristige Einsparungen, erfordern jedoch auch erhebliche Anfangsinvestitionen. Die Kunden sind sich dessen durchaus bewusst und werden zunehmend zurückhaltender, insbesondere angesichts unsicherer wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen. Die staatliche Förderung grüner Initiativen variiert von Land zu Land, was eine langfristige Finanzplanung erschwert. Ein eher hinderlicher Faktor ist, dass nachhaltige Materialien 20 % bis 50 % teurer sind als herkömmliche. Auch die Finanzierung bremst die Einführung, da Kreditgeber oft strengere Bedingungen für die Finanzierung grüner Projekte auferlegen.
Arbeitskräftemangel und Wissenslücken
Wenn Kunden investieren möchten, mangelt es häufig an qualifizierten Fachkräften, die nachhaltige Projekte tatsächlich umsetzen können. Die Baubranche weist derzeit die höchste Stellenvakanzquote in der EU auf, wobei der Fachkräftemangel in Belgien (derzeit 45 %, erwartet 56 %), den Niederlanden (derzeit 55 %, erwartet 69 %) und Deutschland (derzeit 55 %, erwartet 62 %). Besorgniserregenderweise nennen 49 % aller Architekten und Bauunternehmer mangelndes Bewusstsein und fehlendes Fachwissen im Bereich Nachhaltigkeit als großes Hindernis. Die Fortbildungsprogramme werden zwar ausgebaut, doch die Akzeptanz schreitet nur langsam voran, sodass eine große Lücke zwischen den Anforderungen an Nachhaltigkeit und einer entsprechend qualifizierten Belegschaft besteht.
| Land | Aktuell | Erwartet |
|---|---|---|
| Niederlande | 55 % | 69 % |
| Deutschland | 55 % | 62 % |
| Belgien | 45 % | 56 % |
Abb. 2: Arbeitskräftemangel nach Ländern – aktueller Stand im Vergleich zu den Erwartungen.
Regulatorische Unsicherheit und politische Veränderungen
Die politische Landschaft befindet sich im Wandel, wobei einige Regierungen Nachhaltigkeitsbemühungen eine geringere Priorität einräumen. Länder mit einer stark rechtsgerichteten oder wirtschaftlich konservativen Politik haben staatliche Anreize für nachhaltiges Bauen reduziert, bevorzugen traditionelle Branchenansätze und lassen Bauträger im Unklaren über künftige Vorschriften und Fördermittel. Betrachtet man die Mechanismen zur CO₂-Bepreisung, so wird deutlich, dass diese uneinheitlich sind, was eine weitere Ebene der Unvorhersehbarkeit schafft, die Unternehmen davon abhält, sich auf langfristige Nachhaltigkeitsinvestitionen festzulegen.
Wie können sich Fachleute der Branche darauf einstellen?
Nachhaltigkeit steht nicht unbedingt außer Frage, erfordert jedoch einen praxisorientierteren Ansatz, der die Diskussion am Laufen hält. Fachleute aus der Baubranche können ihre Sichtweise auf Umweltfreundlichkeit ändern, um diese Lösungen zugänglicher und wirtschaftlich tragfähiger zu machen. Und so geht’s…
Höhere Kosteneffizienz
Kunden sind eher bereit zu investieren, wenn sie unmittelbare Vorteile erkennen. Eine Möglichkeit, diese aufzuzeigen, ist der Einsatz hybrider Baumaterialien, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erschwinglichkeit und Nachhaltigkeit bieten. Fertigteil- und Modulbauweisen können beispielsweise dazu beitragen, Materialabfälle und Arbeitskosten zu reduzieren, wodurch umweltfreundliche Projekte an Attraktivität gewinnen. Darüber hinaus können intelligente Energiemanagementsysteme durch die Senkung der Betriebskosten eine unmittelbare Kapitalrendite erzielen, was dazu beitragen kann, die anfänglichen Projektkosten auszugleichen.
Einsatz für politische Stabilität und Anreize
Die politische Unsicherheit stellt dabei ein wesentliches Problem dar. Die Branche muss aktiv mit den politischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten, um stabile, langfristige Anreize und einheitliche Vorschriften voranzutreiben, die ein besser vorhersehbares Investitionsumfeld schaffen. Grüne Finanzierungsmöglichkeiten – wie beispielsweise an Nachhaltigkeitskriterien geknüpfte Kredite – können Unternehmen finanzielle Anreize bieten, nachhaltigen Praktiken Vorrang einzuräumen.
Die Wissenslücke schließen
Aufklärung ist der Schlüssel zur Überwindung von Vorbehalten gegenüber Nachhaltigkeitsinvestitionen. Fachleute aus der Baubranche – und auch Auftraggeber – benötigen praxisnahe, realitätsbezogene und praxisorientierte Informationen, um fundierte Entscheidungen zum Thema Nachhaltigkeit treffen zu können. Dabei wird die Zusammenarbeit mit Lieferanten, die detaillierte und überprüfbare Nachhaltigkeitsdaten zu den Materialien bereitstellen, von entscheidender Bedeutung sein.
Sanierung vor Neubau priorisieren
Angesichts der aktuellen Trends – d. h. des Rückgangs bei Neubauten – stellen Sanierungsprojekte eine realistische und günstige Möglichkeit dar, Nachhaltigkeit zu demonstrieren. Die Nachrüstung bestehender Gebäude mit energieeffizienten Lösungen, wie beispielsweise einer verbesserten Wärmedämmung und alternativen Energiequellen, kann zu messbaren Reduzierungen des CO₂-Fußabdrucks und zu Leistungssteigerungen führen. Die Bewältigung von Netzkapazitätsengpässen ist unerlässlich, um den Ausbau der lokalen Erzeugung erneuerbarer Energien zu ermöglichen.
Die Quintessenz
Das Jahr 2030 rückt immer näher, und Bauherren stehen vor schwierigen Entscheidungen: Zwar erkennen sie den Wert der Nachhaltigkeit, doch kurzfristige finanzielle Zwänge lassen sie zögern. Dies bedeutet nicht, dass die Branche zum Stillstand gekommen ist, sondern vielmehr, dass Fachleute ihre Strategien anpassen müssen, um sie an die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen anzupassen.
Die Dynamik des ökologischen Bauens hängt davon ab, das richtige Gleichgewicht zwischen Ehrgeiz und Praktikabilität zu finden. Jetzt ist es an der Zeit, den Umgang mit Nachhaltigkeit in der Branche zu überdenken – damit sie weiterhin Priorität genießt, ohne jedoch zu einer finanziellen Belastung für potenzielle Investoren zu werden.