Marktbericht
Nachhaltigkeit und Bauwirtschaft
Entdecken Sie Marktberichte über Bauunternehmen und bleiben Sie mit dem „Contractor Monitor“ von USP Research über die neuesten Trends und Erkenntnisse der Branche auf dem Laufenden.
Blogs I published 15 November 2023 I Henri Busker
Wer sind die wichtigsten Einflussnehmer im Bereich des nachhaltigen Bauens?
Ob Sie vor Ort sind, von der Arbeit aus googeln oder eine Messe besuchen – früher oder später werden Sie zweifellos auf das Thema Nachhaltigkeit zu sprechen kommen. Die technischen Daten und Auswahlmöglichkeiten liegen bereit – hier eine Dämmung, dort eine Fassadenverkleidung, eine E-Mail über CO₂-Neutralität hier oder Kreislaufwirtschaft dort. Mit anderen Worten: Der Druck, besser zu bauen, ist allgegenwärtig – aber wer trifft eigentlich die Entscheidungen in Sachen Nachhaltigkeit? Wer gibt den Ton an, und wer schwimmt nur mit dem Strom?
Lassen Sie uns die Beteiligten einmal genauer betrachten.
Wer fährt das Fahrzeug?
Sie wissen doch, wie es bei jedem Projekt diese eine Stimme gibt, die mehr Gewicht hat als alle anderen? Das Gleiche gilt für die Nachhaltigkeit.
In ganz Europa nennen Bauunternehmer durchweg Architekten als die einflussreichste Gruppe im Bereich des nachhaltigen Bauens; 28 % der Befragten nannten diese. An zweiter Stelle folgen die nationalen Regierungen mit 23 %, während die Bauunternehmer selbst mit 16 % den dritten Platz belegen.
Betrachtet man die Situation jedoch nach Ländern, ändert sich das Bild. In Deutschland, Spanien und Belgien üben Architekten den größten Einfluss aus. In Frankreich stufen Bauunternehmer sich selbst höher ein. In den Niederlanden sind es die Regierung und die Kommunalbehörden, die den Ton angeben; Architekten gehören nicht einmal zu den drei wichtigsten Akteuren.
Die Regierung spielt eine zentrale Rolle
IchEs geht nicht nur darum, wer am Reißbrett sitzt, sondern auch darum, wer die Regeln festlegt.
Betrachtet man nationale und lokale Behörden gemeinsam, so sind sie die wichtigste Triebkraft für nachhaltiges Bauen in ganz Europa. Im Vereinigten Königreich, in den Niederlanden und in Belgien sehen Bauunternehmen die nationale Regierung als den größten Einflussfaktor an. In Frankreich und Spanien zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab: Der Staat tritt in den Hintergrund, und die Industrie übernimmt die Führung.
Was bedeutet das? Regulierung ist wichtig, aber sie ist nicht überall gleichermaßen wirksam.
Weitere Akteure treten auf den Plan
Wenn sich alle einmischen, lässt sich immer schwerer erkennen, wer das Ruder in der Hand hat. Denn jeder zeigt mit dem Finger auf einen anderen.
Bauunternehmer spüren zunehmend den Einfluss anderer Akteure – von Bauträgern, Materialherstellern und sogar Endnutzern. In Italien und Polen gewinnen Bauherren und Hersteller zunehmend an Bedeutung als treibende Kräfte für nachhaltige Entscheidungsprozesse.
Doch dieser Einfluss ist sehr dünn gestreut; viele Fachleute sind der Ansicht, es sei Aufgabe der Regierung, die Führung zu übernehmen, und nur wenige erkennen tatsächlich ihren eigenen Anteil daran an, die Dinge voranzubringen. So glauben beispielsweise 66 % der einflussreichen Akteure, dass die Kreislaufwirtschaft nur dann Erfolg haben wird, wenn die Regierung deren Anwendung gesetzlich vorschreibt. Die meisten sind zudem der Meinung, dass in der Branche ein Umdenken erforderlich ist. Der Widerspruch ist offensichtlich – sie wissen, dass sie Einfluss haben, doch viele scheuen sich dennoch, diesen anzuerkennen.
Die Entscheidungen werden hauptsächlich von 30 % der Architekten und 33 % der Bauunternehmer getroffen. Eine etwas größere Gruppe gibt an, mitzuentscheiden, während nur sehr wenige angeben, überhaupt nicht beteiligt zu sein.
Wissen und Arbeitskräfte sind die eigentlichen Engpässe
Sie sind nur so stark wie Ihre Mannschaft und deren Fachwissen. In vielen Ländern herrscht nach wie vor Unklarheit darüber, was nachhaltiges Bauen eigentlich bedeutet. In Polen und Italien ist die Wissenslücke besonders groß, und ohne klare Definitionen oder Schulungen ist es schwierig, Veränderungen umzusetzen – selbst wenn der Wille dazu vorhanden ist. Das Vereinigte Königreich und die Niederlande sind beim Umweltbewusstsein mit großem Abstand führend, was vor allem auf gut etablierte Vorschriften, Aufklärungskampagnen und den Fokus auf Nachhaltigkeit in den Ausbildungsprogrammen für Baufachleute zurückzuführen ist.
Ein weiterer wesentlicher Engpass ist der Fachkräftemangel. Im Jahr 2023 verzeichneten wir die höchste Stellenvakanzquote in der EU; Deutschland, die Niederlande und Polen meldeten den größten Fachkräftemangel (55 %, 55 % bzw. 47 %), und Prognosen deuten darauf hin, dass sich das Problem europaweit weiter verschärfen wird. Keine noch so gut durchdachte Politik wird helfen, wenn es keine qualifizierten Arbeitskräfte gibt, die die Arbeit ausführen können.
Die Länder müssen ihre Investitionen in den Bildungsbereich deutlich erhöhen, die Menschen dazu ermutigen, eine berufliche Laufbahn im Bereich des nachhaltigen Bauwesens einzuschlagen, und die Ausbildungsprogramme ausweiten, um qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen und auszubilden, die in der Lage sind, umweltfreundliche Technologien und nachhaltige Verfahren umzusetzen.
Baustofflieferanten stehen bereit, um zu helfen
Doch neben Arbeitskräften und Wissen spielt auch die Lieferkette eine wichtige Rolle – insbesondere die Unternehmen, die die Materialien herstellen.
Die Schaffung von Klarheit, die Aufklärung des Marktes über Nachhaltigkeit sowie die Bereitstellung nachhaltiger Materialien sind zentrale Leistungen, die Bauunternehmen von Baustofflieferanten erwarten. Diese können eine entscheidende Rolle dabei spielen, Bauunternehmen zu motivieren und dabei zu unterstützen, nachhaltiger zu arbeiten.
Deshalb 15 % der Branche sind der Ansicht, dass sie bei nachhaltigen Prozessen eine wichtige Rolle spielen. Diese Zahl spiegelt jedoch nicht das tatsächliche Potenzial wider. 32 % verwenden nachhaltige Materialien, 23 % legen den Schwerpunkt auf Aufklärung oder die Information des Marktes, 13 % sind Innovatoren und 12 % sind die Praktiker – sie reduzieren Abfall während der Produktion. Es besteht also sowohl Interesse als auch Raum für Verbesserungen.
Schlusswort
Es gibt keine einheitliche Antwort auf die Frage, wer das nachhaltige Bauen vorantreibt – das hängt davon ab, wo Sie sich befinden, was Sie erwarten und wen Sie fragen. Doch die Verantwortung wird eindeutig gemeinsam getragen. Architekten und Bauunternehmer treffen bereits die Entscheidungen. Regierungen legen die Regeln fest. Von den Herstellern wird erwartet, dass sie all dies unterstützen. Darauf zu warten, dass jemand anderes die Führung übernimmt, verzögert nur das Unvermeidliche. Wenn Sie in der Baubranche tätig sind, sind Sie entweder Teil der Lösung – oder Teil des Problems.
Wenn Sie in diesem Bereich weiterhin eine wichtige Rolle spielen möchten, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, wo Ihr Einfluss liegt – und diesen nutzen.